Kindern ein (zweites) Zuhause geben

Pflegefamilien: Wie kann ich als Familie helfen?

Die Pflegschaft kann als Patenschaft tageweise stattfinden; sie kann ein paar Monate dauern oder auch mehrere Jahre. Wenn Sie Zeit, Energie und eine Extraportion Liebe für ein Pflegekind übrig haben, dann informieren Sie sich unverbindlich beim Pflegefamiliendienst.

„Eine Familie ist durch nichts zu ersetzen“, sagt der Volksmund. Und doch gibt es Kinder, die ein zweites Zuhause brauchen. „Manche Eltern können ihren Kindern nicht das geben, was für eine gesunde Entwicklung nötig ist: Sicherheit, Geborgenheit, Fürsorge und Grenzen“, erklärt Michael Mertens vom Pflegefamiliendienst der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich: von einer kurzzeitigen Überforderung der Eltern über Vernachlässigung bis zur seelischen und körperlichen Misshandlung. Darum sucht der Pflegefamiliendienst Eltern für verschiedene Formen der Pflegschaft:

  • „Besonders die jungen Kinder, also bis zum Alter von sieben Jahren, brauchen enge, stabile Beziehungen zu Erwachsenen, auf die sie sich verlassen können. Unsere Aufgabe ist es dann, Familien zu finden, die diese Kinder mit Geduld, Zeit und ganz viel Liebe auffangen“, so Mertens.

    die Patenschaft, um das Kind gelegentlich zu unterstützen - beispielsweise am Wochenende
  • die Kurzzeitpflege während einiger Wochen oder Monate
  • die Langzeitpflege, die bis zur Volljährigkeit des Kindes dauern kann

 

 

Patenfamilien

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Susi, 6, und Nela, 4 Jahre alt, freuen sich auf den Besuch bei ihren Pateneltern. Mutter Nina, 24, ist froh, dass sie dieses Wochenende für sich hat. Die alleinerziehende Mutter hatte einfach keine Kraft mehr. Die Nerven lagen blank, immer öfter schrie sie die Kinder an. Jetzt kann sie einfach mal nur in Ruhe einkaufen gehen, mal Luft holen und sich mit Freundinnen treffen. Am Ende des Wochenendes freut sie sich wieder, für ihre Kinder da zu sein.

Patenfamilien sind eine Ergänzung zur eigenen Familie, kein Ersatz. Sie entlasten die Herkunftsfamilie. Zu Beginn einer Patenschaft einigen sich alle Beteiligten, wie viele Stunden oder Tage die Kinder bei den Paten sind.

Kurzzeit- oder Bereitschaftspflege

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Scheidungskrieg, Depression oder eine anstehende Operation - manchmal brauchen Eltern jemanden, der ihnen eine Zeit lang "unter die Arme greift". So zum Beispiel bei Charlotte, 32 Jahre alt.

Die alleinerziehende Mutter musste nach einem Unfall in eine Fachklinik nach Deutschland. Es war klar, dass sie mehrere Wochen in der Klinik bleiben muss und danach monatelang nur an Krücken gehen kann. Autofahren, ihren Sohn zur Schule bringen, einkaufen - einfach unmöglich. Die Großeltern sind beide über 70 und zu alt, um Primarschüler Maurice zu versorgen. "Maurice würde in diesem Fall von einer liebevollen Bereitschaftspflegefamilie aufgenommen, bis die Mama wieder für ihn da sein kann", erklärt Teresa Moser vom Pflegefamiliendienst.

Langzeitpflegefamilie

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Jeanette* war 18, ihr Freund 19 Jahre alt, als sie schwanger wurde. Beide wollten es schaffen, ihr Kind großzuziehen. Ohne Berufsausbildung und ohne Unterstützung  war das schwierig. Jeanette zog zunächst in ein Mutter-Kind-Heim. Doch die Probleme blieben und es wurde deutlich, dass weder Vater noch Mutter ausreichend für ihr Baby sorgen können. "Das ist nur ein Beispiel, es gibt viele verschiedene Gründe, warum Eltern langfristig nicht für ihre Kinder sorgen können. Die Langzeitpflege ist mit zurzeit 54 Kindern die häufigste Pflegschaftsform", erklärt Teresa Moser vom Pflegefamiliendienst.

In Langzeitpflegefamilien werden Kinder vermittelt, bei deren Eltern familienergänzende Hilfen nicht ausreichen. Die Rückkehr in die Ursprungsfamilie ist unwahrscheinlich. Die primäre Bindung des Kindes an seine leiblichen Eltern tritt in den Hintergrund, die Pflegeeltern werden zu Hauptbezugspersonen. Oft ein Leben lang.

Mehr Informationen erhalten Sie im weiterführenden Artikel.